Die blaue Bahn in Berlin beflügelt die Athleten
Wirkt die Laufbahnfarbe leistungssteigernd auf die Athleten?
Kann es sein, dass schon die Farbe leistungssteigernd auf die Athleten wirkt? Der Farbpsychologe Prof. Harald Braem vermutet das: „Das schöne Blau im Berliner Olympiastadion verleiht Flügel. Blau ist eine fließende Farbe. Auf einer blauen Bahn können die Athleten viel befreiter laufen.“ Er vergleicht den Effekt mit den blauen Straßenschildern an den Autobahnen. Warnsignale, die zur Vorsicht mahnen, sind dagegen in Rot gehalten, der traditionellen Farbe von Leichtathletikbahnen – und von Stoppschildern.
Steigende Nachfrage
Der Hersteller der Berliner Laufbahn, die BSW GmbH, verzeichnet seit dem Bau der Laufbahn in Berlin eine stetig steigende Nachfrage nach blauen Leichtathletikflächen. Das Unternehmen ist seit über drei Jahrzehnten Spezialist für Sportböden im Innen- und Außenbereich und wird im aktuellen Geschäftsjahr in rund 100 Länder exportieren. Ob in Deutschland, Brasilien oder Russland: blaue Laufbahnen werden immer beliebter. So fand bereits die Hallenleichtathletikweltmeisterschaft 2006 in Moskau auf einer blauen Regupol Laufbahn von BSW statt. Vielleicht spüren die Athleten intuitiv, was sich jetzt in Berlin durch Bestleistungen bewahrheitet.
Die Berliner Bevölkerung nennt die blaue Laufbahn im Olympiastadion mittlerweile liebevoll „Das blaue Wunder“. Ein Wunder ist die Laufbahn aus der Sicht des Herstellers aber nicht. Sie ist vielmehr das Ergebnis von jahrzehntelanger Erfahrung des Herstellens im Bau solcher Anlagen, das Ergebnis sorgfältigster Rohstoffauswahl und handwerklicher Genauigkeit beim Einbau.
Vorgaben des internationalen Leichtathletikverbandes
Nach den Vorgaben des internationalen Leichtathletikverbandes müssen Laufbahnen Kraftabbauwerte zwischen 35 und 50 % aufweisen. Dabei gelten bei manchen Sportlern und Funktionären besonders harte Bahnen – also solche mit einem Kraftabbauwert nahe 35% – als tendenziell besonders schnell. Gerade bei BSW weiß man allerdings, dass eine harte Laufbahn kein Garant für Bestleistungen ist.
Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie der Sporthochschule Köln. Dort hat man festgestellt, dass die Weichheit oder Härte einer Kunststofflaufbahn keine Auswirkung auf die Laufgeschwindigkeit von Sprintern hat. Die Autoren der Studie, die 2006 mit Hilfe von BSW Laufbahnen erstellt wurde, vermuten, dass der menschliche Bewegungsapparat kleine Unterschiede in der Elastizität des Untergrundes unwillkürlich ausgleicht. Die Formel „Hart = Schnell“ scheint damit widerlegt.
Legales Doping durch Farbwirkung
Nun könnte sich stattdessen die Farbe als eine Art „legales Doping“, wie Prof. Braem es nennt, erweisen. Zusammen mit der Begeisterung der Zuschauer und dem guten Wetter schafft die Bahn die Atmosphäre, in der dann solche Rekorde wie der von Usain Bolt möglich werden.
Bedanken müssten sich die Leichtathleten dann aber nicht bei ihren eigenen Funktionären oder bei Sportwissenschaftlern sondern beim Fußball. Denn als die Berliner Laufbahn im Jahre 2004 gebaut wurde, war es der Fußballclub Hertha BSC der durchsetzte, dass die Bahn in seiner Vereinsfarbe ausgeführt wurde. Manchmal sind die einfachsten Ideen eben die besten.
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