Wie beeinflussen Tartanbahnen die Sportler?

Hintergrundinformationen zur blauen Laufbahn in Berlin.

Seit Beginn der Leichtathletik-WM in Berlin ist die blaue Laufbahn des Olympiastadions Gegenstand von Spekulationen. Während die einen sie als relativ langsam weil weich bezeichnen, läuft Usain Bolt einen phantastischen Weltrekord und ihrem auffälligen Blau wird eine leistungssteigernde Wirkung zugeschrieben. In Wahrheit ist die blaue Laufbahn im Olympiastadion ein High-Tech-Produkt, dessen Nutzen für die Sportler sich nicht mit einfachen Formeln beschreiben lässt.

Die blaue Tartanbahn im Berliner Olympiastadion

Die Sportfunktion der Berliner Tartanbahn setzt sich nach Angaben des Herstellers BSW aus mehreren Faktoren zusammen. Die wichtigste Eigenschaft einer Leichtathletiklaufbahn ist ihr Kraftabbau, also ihre Elastizität. Der Kraftabbau einer Wettkampfbahn wie in Berlin wird vom IAAF, dem internationalen Leichtathletikverband, vorgeschrieben. 35 bis 50 Prozent sind hier der Richtwert. Der Rest bleibt wo er hingehört, beim Sportler. Ein Teil der abgebauten Kraft wird von der Laufbahn absorbiert. Der andere Teil wird durch Rückfederung wieder an den Sportler zurückgegeben.

Weiche oder harte Laufbahn?

Um überhaupt keine Kraft zu verlieren, sollten alle Sportler also auf Beton oder Asphalt laufen. Das hätte aber fatale Folgen für ihre Gesundheit, denn ein harter Belag schädigt auf Dauer Gelenke und Sehnen, Langstreckenläufern kann er zur Tortur werden. Deshalb drehen selbst Spitzenläufer ihre Trainingsrunden auf relativ weichen Bahnen, Wettkampfstrecken wie im Olympiastadion sind dagegen etwas härter. Der Kraftabbau der blauen Laufbahn liegt nach Angaben des Herstellers knapp unter 40 Prozent.

Selbst das gilt bei manchen Sportlern noch als relativ weich. Das liegt daran, dass die Sportböden mancher Hersteller mit der Zeit materialbedingt etwas härter werden. Ob der vernünftige Minimalwert der Elastizität dann noch eingehalten wird, ist fraglich. Fraglich ist auch, ob die üblichen Elastizitätsunterschiede der Rundlaufbahnen überhaupt eine Rolle spielen. Die Sporthochschule Köln kam 2006 in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Unterschiede im Kraftabbau keinen Einfluss auf die Geschwindigkeit von Sprintern haben. Dafür nennt die Studie einen plausiblen Grund. Der menschliche Bewegungsapparat gleicht evolutionsbedingt Verschiedenheiten in der Elastizität des Bodens unwillkürlich aus. Ansonsten würden wir auf Erde und Gras wohl oft straucheln.

Kenngrößen

Neben dem Kraftabbau nennt BSW noch weitere Kenngrößen zur Sportfunktion von Leichtathletikböden. Den sogenannten Gleitreibwert, der die Rutschsicherheit bestimmt, die Standardverformung, die die Einfederung der Laufbahn definiert und die Spikefestigkeit der Oberfläche. Die Schuhspikes der Läufer dürfen sich weder einbohren, noch dürfen sie abrutschen. Schließlich ist noch die Fugenlosigkeit einer Laufbahn ein entscheidendes Qualitätskriterium, da sonst Stolperfallen entstehen. Deshalb werden zumindest die Oberflächen von Kunststofflaufbahnen vor Ort hergestellt und nicht etwa als Rollenware verlegt. Die Rohstoffe für Berlin wurden von Conica, einer BASF-Tochtergesellschaft in Schaffhausen, Schweiz und Melos in Melle, NRW, geliefert. BSW hat die Bahn gebaut, ihr Produktname ist Regupol Compact.

Ob die Sportler in Berlin ihre Spitzenleistungen also auch der blauen Laufbahn zu verdanken haben, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Auf jeden Fall wäre ihre Karriere bald beendet, wenn die Härte des Bodens übertrieben würde.


Informationen

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Tartan-Laufbahn-Installation im Olympiastadion Berlin
Installation der Oberfläche der blauen Tartanbahn in Berlin. BSW-Monteure streuen das blaue Granulat ein, Maschinen würden hier versagen.
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